Im Trauerfall

 

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten,
siehe, so bist du auch da.
(aus Ps 139)

Unser Leben auf Erden ist endlich. Das erfahren wir durch das Sterben der uns Nahestehenden. Wenn ein Mensch in der Familie oder im nahen Umfeld gehen muss, so ist das ein einschneidendes Ereignis, das uns tief bewegt. Wenn sich der Tod ankündigt, so hat man als Nahestehender meist genügend Zeit, sich darauf einzustellen und vorzubereiten. Man kann den Sterbenden begleiten, da sein, mit ihm reden, ihn eine vertraute Stimme hören lassen. Wenn noch Zeit ist und es Ihnen gut tut oder der Sterbende danach fragt, dann zögern Sie nicht, Kontakt zu Ihrem Pfarrer aufzunehmen. Er wird zu Ihnen nach Hause kommen oder auch in die Klinik, in der der Sterbende liegt.
Vertraute Bibelworte, Psalmen und Liedverse können hilfreich sein, ein Segenswort, ein Gebet. Hilfen dazu finden Sie im Evangelischen Gesangbuch unter den Nummern 829-832 ab S. 1425.

Wenn ein Mensch gestorben ist, dann stürzen die unterschiedlichsten Gedanken und Gefühle auf einen ein. Gönnen Sie sich Zeit, das alles wahrzunehmen. Verständigen Sie zuerst die Menschen, die Ihnen vertraut sind und mit denen Sie diesen Moment am ehesten teilen wollen. Kommen Sie bei dem Toten zusammen. Falls Kinder im Haus sind und dazukommen wollen, schließen Sie sie nicht aus. Erklären Sie Ihnen, was vorgefallen ist. Nehmen Sie sich Zeit für das Abschiednehmen von dem Verstorbenen. Wenn Sie wollen, halten Sie miteinander oder für sich eine kleine Andacht oder eine Aussegnungsfeier. Wenn Ihnen danach ist: Gestalten Sie das Sterbezimmer dafür, mit einer Kerze, einer aufgeschlagenen Bibel, Blumen, falls verfügbar. Eine kleine Anleitung für eine Hausandacht finden Sie im Evang. Gesangbuch (Nr. 832). Wenn Sie es wünschen, kann auch dazu Ihr Gemeindepfarrer kommen.

Wenn Ihr Nahestehender zuhause gestorben ist, dann werden Sie den Hausarzt verständigen, der den Tod feststellen und den Totenschein ausfüllen muss. Falls Sie vorher Hilfe bei der Pflege hatten, setzen Sie sich auch mit den Pflegekräften in Verbindung. Sie wissen in der Regel, was nun zu tun ist, um den Toten zu waschen und zu kleiden. Falls Sie in einer Klinik sind, fragen Sie danach, ob es einen besonderen Raum gibt, in dem Sie sich für das Abschiednehmen von dem Verstorbenen Zeit nehmen können.

Wenn Sie geklärt haben, wie lange Sie den Toten noch zuhause behalten wollen, dann wenden Sie sich an ein Bestattungsinstitut Ihrer Wahl. Dessen Mitarbeiter wissen, was jetzt alles zu tun ist, und nehmen Ihnen vieles ab. Sie können sich jederzeit auch mit Ihrem Pfarramt in Verbindung setzen! Sie können auch den Vertreter des Bestattungsinstitutes bitten, den Termin für die Trauerfeier mit dem Pfarramt abzuklären. In der Regel wird sich der Pfarrer dann mit Ihnen in Verbindung setzen und einen Termin für ein Gespräch vereinbaren. Gemeinsam werden Sie das unmittelbar Erlebte besprechen und sich dieses gelebte Leben noch einmal vor Augen führen. Bei diesem Gespräch kann dann auch die bevorstehende Trauerfeier besprochen werden. Wenn Sie sich auf das Gespräch vorbereiten wollen, dann suchen Sie nach dem Gesangbuch des Verstorbenen oder nach der Familienbibel. Oft findet sich darin der Denkspruch der Konfirmation oder auch der Trauspruch des Verstorbenen. Vielleicht auch hat sich Ihr Nahestehender zu Lebzeiten Gedanken darüber gemacht, wie seine Trauerfeier einmal gestaltet werden soll und dazu Notizen hinterlassen, z.B. mit Bibeltexten oder Gesangbuchliedern, die ihm wichtig sind. Besprechen Sie bei dieser Gelegenheit auch, ob eventuell der Vertreter eines Vereins oder einer Arbeitsstelle des Verstorbenen oder auch jemand aus dem Familien- oder Freundeskreis ein Abschiedswort sprechen möchte, damit dies bei der Planung des Ablaufes der Trauerfeier berücksichtigt werden kann.

Ich bin für Sie da!
Ihr Pfarrer Hans-Michael Wünsch